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Zeitverschiebung

 

Zeitverschiebung

Szenische Kindheitserinnerungen an ein Leben in der DDR stehen im Mittelpunkt der Fotoarbeit „Zeitverschiebung“. Frank Robert fotografierte Sylvia Ballhause 2003 dort, wo sie bis vor der Wiedervereinigung Deutschlands gelebt hat: Im Stadtteil Reideburg in Halle an der Saale. Die entstandenen Bilder, welche die zwei Fotografen mit der Präzision von Archäologen an Originalschauplätzen inszenierten, wandeln sehr bewusst auf dem schmalen Grat zwischen beißender Selbstironie und der wahrhaften Sehnsucht nach einer verschwundenen Vergangenheit.
Sylvia Ballhause spielt dabei verschiedene Szenen, die sie als Kind so erlebt hat, nach – u. a. auch den unter den Schülerinnen als Mutprobe geltenden Kuss des Bildes von Erich Honecker auf dem Flur der ehemaligen Schule. Im Laufe des Projektes wurde die Auswahl der Fotografien auf die kollektiven, im staatlich-gelenkten Raum stattfindenden Erinnerungsszenen reduziert und die persönlichen Bilder wieder der Öffentlichkeit entzogen, da letztere sich (nach Meinung der Künstler) der fotografischen Re-Produktion verweigerten.
Dieser zeitliche Prozess, welchem das Projekt bis heute unterliegt, und die Verschiebung von Erinnerungen zu Bildern ist ebenfalls eine zentrale Funktion der Fotografie bei der Bildung eines kollektiven Gedächtnisses.